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Die große Neksus-Serie: Onkel IBN schaltet ab

http://www.schwarzromantiker.de/magazin/img//d76cb8a32a1acab9.jpgHeute: Der Tragödie erster Teil: Musik-TV (La-La für’n Arsch)

Wem das zweifelhafte Privileg zukommt, auch am Nachmittag schon fernsehen zu können, dem wird sicherlich bereits einmal - während seiner Flucht von einem unsinnigen Programm zum nächsten - ein quietschbunter, gelb-orange gefärbter Bildschirm ins Auge gestochen sein, über den unzählige „Nachrichtenbänder“ laufen.
Vermutet man beim ersten Hinsehen noch einen weiteren deutschen CNN-Abklatsch, so wird doch bald ersichtlich, daß es sich hier um einen Musiksender handelt.
Sucht man dann in Anbetracht dieser Erkenntnis das entsprechende Musikvideo, so ist die Zuhilfenahme einer Lupe durchaus ratsam, da sich dieses in der oberen rechten Ecke befindet, und ein sagenhaftes Achtel des Bildschirmes ausmacht. Die restlichen 7/8 sind mit den dekadenten Abfallprodukten einer in ihre Nichtigkeit laufenden Jugendkultur übersät.
Neben einer Auflistung der nächstgespielten Titel, die man durch einen Anruf (läppische 49 Cent) beeinflussen kann, laufen am unteren Rand die nichtssagenden Kurzmitteilungen pubertierender Hohlköpfe über den Schirm, die jene für den gleichen Betrag via SMS an den Sender schicken können.
Während sich Papi am Monatsende wieder an der Handyrechnung seines Balgs erfreuen darf, verblödet dieses in Anbetracht des kulturellen Dünnpfiffs bis zur „menschlichen Unkenntlichkeit“.

Hat man sich schließlich nun irgendwann in die Werbung gerettet, und ist der dauerhaft visuellen Schädigung durch den an allen Ecken und Enden flackernden Bildschirm entgangen, so findet die reizüberflutende Sinnespenetration dort gleich ihre Fortführung:
Kaum erträgliche und schrille Stimmen preisen - von bunten Bildchen unterstützt - Handyextras an, die so sinnlos, wie auch überteuert sind. Die Handywerbungen sind nahezu die einzigen überhaupt - Etwas anderes wird gar nicht erst beworben - Ein Hoch auf unsere vielfältig interessierte Jugend.

Neben der Ausbeutung unmündiger Personen – man will die armen Blagen schließlich nicht nur in die Schulden treiben – nehmen Musiksender freilich auch ihren selbstauferlegten Bildungsauftrag wahr. So bestückt man interaktive Sendungen mit zurückgebliebenen Mitzwanzigern als Moderatoren, die der pubertierenden Teeny-Audienz bezüglich Doofheit in nichts nachstehen, und diskutiert überaus sinnschwangere Fragen a la „Ist der Irak-Krieg voll doof oder nicht?“

Erscheinungen, wie gestellte Dating-Shows mit saudummen, lediglich aus Attitüden bestehenden amerikanischen Dummbeuteln als Protagonisten, Knochenbrechershows a la Jackass, oder Barbiepuppenmentalität in Form dümmlich konstruierter Reality-Soaps, sollen hier nicht einmal eine sonderliche Erwähnung finden, da deren kulturvernichtende Tendenzen dem hiesigen Leser offensichtlich sein sollten.

Das Widerwärtigste am ganzen Musikfernsehen ist jedoch immer noch, daß es schlichtweg nichts mit Musik zu schaffen hat. Statt Musik zu kultivieren, war es immer schon Hure der tonalen Industrie.
Nach drei Wochen tauscht man die 30 Videos in der Rotation eben mal aus, und der auditive Freier bekommt sein Frischfleisch in den heimischen Käfig geworfen. Und wie jedes Käfigtier, das man auch immer recht fein füttert, gewöhnt sich auch dieses an sein Verlies.

Manchmal scheint es mir sogar, als ob unsere „zahnbespangten Jungmenschen“ sich gar nicht dessen bewusst sind, daß es noch Musik hinter jenem beschränkten Horizont zu finden gibt. Nun, der Löwe im Zoo geht wohl auch davon aus, daß die Welt lediglich aus jenem Sichtfeld besteht, das er von seinem Käfig aus einzusehen vermag...

Und wie jede Hure, macht freilich auch die Hure der Musikindustrie die Beine für den Meistbietenden breit;
Vielfalt, ade... Qualitative Selektion, ade... Die Idee von Fein-, Frei- und Schöngeist, auf der tonales Schaffen fußt (fußen sollte), ade...

Der hiesige Leser wird sicherlich auch „Schattenreich“ (So 18.00h, Onyx) kennen.
Unter dem Deckmantel von unabhängigem Musikfernsehen wird Musik hier zum „schwarz-alternativen“ Partyspaß verhunzt. Ist das „Weib“ hier nicht sofort als Hure auszumachen, so wird bei genauerer Betrachtung ersichtlich, daß lediglich der Zuhälter in einer kleineren Liga spielt.

Meinem Sinn von Musik und musikalischer Entität kommt das nicht gleich.
Von daher... Musikfernsehen – Nein, Danke.
Onkel IBN schaltet hier ab.

Demnächst in der großen Neksus-Serie „Onkel IBN schaltet ab“:
Der Tragödie zweiter Teil: Brot und Spiele der Neuzeit (Scheiße für die Massen)


verfasst am 16.01.2004 von Onkel IBN
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