NSG Schwarzromantik - Magazin
Die Große Neksus-Serie: Onkel IBN schaltet ab
Heute: Der Tragödie zweiter Teil: Brot und Spiele der Neuzeit (Scheiße für die Massen)
Selbst mit beiden erhobenen - von Moral nur so triefenden - Zeigefingern, kann ich der „Unterhaltungsindustrie“ des antiken Roms zumindest eine gewisse Originalität und Ehrlichkeit nicht absprechen.
Immerhin wusste der römische Cives, was er zu erwarten hatte, wenn er sich bei einem leckeren Krug Feierabendwein in der Arena einfand.
Formate wie „Rom sucht den Supergladiator“ oder „Ich bin ein Gladiator, gebt mir ein Schwert“ blieben dem gemeinen römischen Vergnügungssüchtigen, Jupiter sei dank, erspart.
Es war klar: In der Arena wird sich so lang auf die Rübe gehauen, bis einer schließlich liegen bleibt. Dafür ging man dort hin, das wollte man sehen, und das wurde letztendlich auch geboten.
Das Pandon der Postmoderne ist ethisch vielleicht ein wenig(!) unbedenklicher, was die Verlogenheit und Einfalt der Formate aber allemal wieder ausgleichen. Und wer zweifelt schon daran, daß den großen Zampanos eines gewissen Privatsenders, nennen wir ihn „RTL Minus“, der Seiber aus den speckigen Mundwinkeln läuft, wenn sie nur davon phantasieren, endlich mal ein Format bringen zu können, in dem sich die Kandidaten gegenseitig umlegen.
Aber da der durchschnittliche, westlich moderne Mensch ja bis zur Unerträglichkeit politisch korrekt ist, jeden Monat sagenhafte € 5 für die armen Kinderlein in Afrika spendet, und sich dabei in seiner Selbstherrlichkeit noch wahnsinnig toll findet, während sein Wohlstand überhaupt erst auf dem Elend derer fußt, denen er in all seiner Güte einen Teil seines „achso“ hartverdienten Geldes zukommen lässt, ist für diesen selbstverständlich auch eine kultivierte Form der Unterhaltung von Nöten...
Dieser kultivierte „Neuzeitler“ erfreut sich daran, anderen kultivierten Neuzeitlern dabei zusehen zu können, wie diese, durch die Beantwortung von 15 Fragen, € 1.000.000 abkassieren. Auch erfreut er sich daran, zehn abgewrackte Pseudopromis, die zum großen Teil schon Ende der 80’er die Grenze der Unerträglichkeit überschritten haben, im Dschungel zu beobachten, oder aber er verfolgt, wie zwölf vollkommen Unbekannte, meist minderen Intellektes, ihr jämmerliches Dasein in einem Container fristen.
Gerne sieht dieser höchst aufgeklärte Humanist auch, wie sich mit Ganzkörperakne versehrte, hohle Teenie-Birnen in Gesangswettbewerben messen, um dann in der Quintessenz den Supergladiator... ähh, Star, zu finden.
Onkel IBN würde sich ja nicht einmal aufs Lätzchen kotzen, wenn es hier nur um die Instrumentalisierung dieser Formate gehen würde. Daß die fettärschigen Bosse abkassieren wollen, das ist bekannt, und das ist soweit auch durchaus in Ordnung.
Sie liefern Entertainment, wir konsumieren Entertainment. Eine Dienstleistung soll entlohnt werden, obgleich Onkel IBN eher den Arsch hinhalten würde, als mit solch kulturfeindlichen Methoden zu Geld zu kommen.
Was Onkel IBN dann aber wirklich aufs Lätzchen spucken lässt, ist die Verlogenheit des Marktes.
Es geht in Quizshows nicht um Wissensvermittlung, es geht in Castingshows nicht um Musik, es geht im Dschungel nicht um die Herausforderung, und es geht bei Big-Brother auch nicht um das Leben von Menschen „wie Du und ich“.
Letztendlich geschieht nichts anderes, als auch schon im antiken Rom. Wir wollen Gewinner und Verlierer sehen. Nur haben die Bonzen nicht die Eier, dies einzugestehen.
Ob ein Bratfischgesicht wie Alexander Klaws nun singt, ob ein Gyroshirn wie Costa Cordalis nun eine Dschungelprüfung erfolgreich bestreitet, oder Erna Neureich in einer Quizshow € 1.000.000 gewinnt, ist vollkommen gleichgültig. Dies alles sind lediglich Nebenprodukte.
Letztendlich sind es unsere niederen Triebe, die Gewinner und Verlierer fordern.
Wir sind nicht besser, als der römische Cives, der dem siegenden Gladiator zujubelt, und den Tod des Unterlegenen fordert. Wir wollen Menschen auf € 500 zurückfallen sehen, wir wollen, daß Menschen den Text vergessen und wir wollen, daß Menschen im Dschungel ihren Verstand verlieren.
Ebenso wollen wir aber auch unseren Stargladiator, den Übermenschen, der so viel besser ist, als wir es selbst sind.
Ob dieser nun singt, eine Kakerlake frisst oder einfach nur verdammt viel weiß, das spielt überhaupt keine Rolle.
Dies verschweigt der Markt seit jeher. Wir sollen davon ausgehen, daß uns das jeweilige Format interessiert, was jedoch nur selten der Fall ist. Je größer die mögliche Fallhöhe ist, und je weiter sich die Spreu vom Weizen zu trennen vermag, desto interessanter wird die Show.
Was uns interessieren soll, das wird uns fein säuberlich nebenher diktiert, und Geld kann man nahezu aus jedem Nebenprodukt ziehen.
Da Onkel IBN gern selbst entscheidet, was er mag, herumjaulend pubertäre Pupsgesichter allgemein recht blöd findet, und ihm die kulturvernichtenden, profitorientierten Tendenzen sowieso auf den Sack gehen, schaltet er hier ab.
Onkel IBN schaltet jedoch wieder ein, sobald Daniel Kübelböck mit Netz und Dreizack gegen Madame Stahnke mit Schwert und Rundschild, in einem Kampf auf Leben und Tod antritt.
Auf daß sich beide zeitgleich niederstrecken; Verdient hätten Wir das allemal...
Demnächst in der großen Neksus-Serie „Onkel IBN schaltet ab“:
Der Tragödie dritter Teil: Infotainment oder Propaganda? (Don’t believe what you see!)
verfasst am 30.01.2004 von Onkel IBN
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