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Weltsprache, Kulturverweigerung

http://www.schwarzromantiker.de/magazin/img//5eca8cf82d1239ed.jpg... und andere merkwürdigen Denkansichten

An der Wichtigkeit der Beherrschung von Fremdsprachen, gerade in der zunehmend internationaler werdenden Welt, hat vermutlich keiner der Anwesenden Zweifel, und in dem Zusammenhang sehe ich es auch als vollkommen richtig an, Sprachen wie Englisch, Franzöisch oder gar Russisch an den Schulen (teils verpflichtend) anzubieten. Gerade in den heutigen Zeiten der Globalisierung und dem Verwischen von Staatsgrenzen (Aufweichen von nationalen Rechten, z.B. durch das Internet) ist es wichtig, auf einen gemeinsamen Verständigungsnenner kommen zu können.

Was mich allerdings immer wieder ein wenig erschreckt, ist die in Deutschland oft gehörte Forderung nach einer Weltsprache, (vorzugsweise "natürlich" und vollkommen konform im Westdenken, der allgemein akzeptierten Hegemoniestellung der Vereinigten Staaten, folgend das englische, aber darum im speziellen geht es mir an der Stelle nicht). Das seltsame an dieser Forderung empfinde ich vielmehr nicht den Wunsch nach einer gemeinsamen Sprache (nicht verwechseln mit dem Wunsch einer gemeinsamen Sprache als Zweitsprache, neben den jeweiligen Muttersprachen) , sondern eben das freiwillige Verzichten auf die eigene Muttersprache und zum aktuellen Geschehen kommentierend, das Gutfinden von sprachlich grottenhaften Vermischungen, wie vom englischen im deutschen (das denglische), welche denn gar mit Argumenten gutgeheißen wird wie "Vermengung der Sprache hin zur Weltsprache englisch"... mal abgesehen davon, daß mir keine andere Nation neben Deutschland bekannt ist, die dieser Entwicklung so dermassen gleichgültig gegenübersteht und teils sogar noch bereitwillig forciert, ganz als wolle man sich gar der eigenen Sprache als lästiges Relikt aus vergangenen Tagen entledigen... es ist schon beschreibend, daß die deutsche Sprache als eine von den meisten (von der Anzahl der Muttersprachler wie auch ländermässig, mit Deutschland und Österreich vertretenen) gesprochenen Sprachen innerhalb der EU erst jetzt durch die Osterweiterung langsam als offizielle Konferenzsprache anerkannt bzw. überhaupt und regelmässiger praktiziert wird - und das symptomatischerweise nicht durch Wunsch Deutschlands, sondern weil Länder wie Polen, Tschechien, etc. besonderen Wert auf die Wichtigkeit dieser Sprache zur Verständigung legen, nicht zuletzt durch die geographische Lage...

Warum nur ist das überhaupt so ein babylonisches Durcheinander...?

Eigentlich braucht man dazu nur mal den Geschichtsatlas aufschlagen und sein bißchen geschichtliches Hintergrundwissen anwenden und sich überlegen, warum man sich schon bislang nicht auf eine entsprechende Weltsprache einigen konnte, obwohl dazu bereits schon zu Zeiten vom römischen Reich die Bedingungen ideal gewesen waren, alle Türen offenstanden im Bezug auf Europa... und warum man sich leider auch nicht auf eine recht einfache zu erlernende Kunstsprache wie das Esperanto einigen kann, bei der keiner bevorteilt wäre...: Sprache hat, wenn man allein auf die Geschichte schaut, immer etwas mit Macht zu tun und einer Hegemonie bzw. Vormachtsstellung. So einfach das auch klingen mag.

... und mit englisch... oder sagen wir in dem Zusammenhang eher und besser amerikanisch, denn England hat seine Vormachtsstellung längst verloren auf der Welt... aber selbst damit als Zweitsprache und allgemein akzeptierte Verständigungssprache werden sich's deshalb, ob unbewußt oder bewußt, auch in Zukunft (zumindest nicht derzeit) Länder wie Rußland oder China schwer tun - vermutlich wird ersterer eher weiterhin dafür sorgen, daß russisch "das englisch" des Ostens bleiben wird, auch wenn dies natürlich nun durch den Zerfall des COMECON nicht mehr in dem Maße ist wie 50 Jahre lang zuvor... genauso wie in Südamerika spanisch als die Allgemeinsprache gilt, und US-amerikanische Musikkünstler wie Madonna allesamt ihre Platten auch nochmal auf spanisch einsingen müssen, um dort ebenso überhaupt ihre LPs verkaufen zu können (da sollte man doch eigentlich denken können, daß das bei Musik doch grad egal sein sollte - ist es aber nicht)... genauso wie Schweden durch seine politische Vormachtstellung im skandinavischen Raum dafür jahrhundertelang gesorgt hatte, daß im Norden fast jeder sich in schwedisch verständigen konnte... genauso wie in vielen Ländern Afrikas weiterhin französisch als Amtssprache beibehalten wurde, und ansonsten es sich in aller Regel um arabisch als Allgemeinsprache handelt... genauso wie im Mittelalter schon an den wichtigen Höfen Europas französisch gesprochen wurde, selbst ein deutscher König sprach selten in seiner eigenen Landessprache (die dieser sogar noch beschimpfte) - und diese Sprache zu Hofe auch lange beibehalten wurde, bis in die Neuzeit hinein... genauso wie zuvor Latein als allgemein anerkannte Sprache in vornehmen Kreisen und generell in Wissenschaft und Kirche galt (in letzterer ja heute noch), als Überbleibsel des Imperium Romanum...
... kurz: solange sich eine Zweitsprache nach den Machtverschiebungen eines bevorteilten Staates richtet, wird's vermutlich nie etwas werden mit einer gemeinsamen Verständigungssprache... es wird nur weiterhin Vasallenstaaten geben, die sich nach ihrem derzeitigem Vorbild, Besatzer oder (stärkerem) Verbündeten ausrichten... sprachlich, wie allgemein kulturell, und erst recht, wenn der eigenen Kultur nur geringen Wert beigeschätzt wird oder zumindest ein geringerer Wert als die eines anderen (-> Fernseher einschalten reicht aus, um zu wissen, was ich damit mein)

Und nicht nur, daß eine Forderung nach dem Verzicht auf die eigene Sprache zugunsten der einer anderen utopisch klingen mag, hat sie doch einen ziemlich bitteren Beigeschmack für mich, wenn dies gar ein Muttersprachler fordert... denn Sprache ist vor allem, wie erwähnt, auch eines und eng damit verbunden...: (eigene) Kultur... lebendige bzw. lebende Kultur...
.... und um da ein Beispiel wieder aufzugreifen, in all seiner Groteskheit...: Musik deutschsprachiger Künstler... singt einer ausnahmsweise (!) doch einmal auf deutsch, also in seiner Muttersprache anstatt Einheitsbrei wie alle auf englisch, liest man darüber in einschlägigen Musikzeitungen den Kommentar "beweist Mut damit"... ... ...


verfasst am 26.03.2004 von Oppa Orca
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